Wie kann es gelingen, internationale Fach- und Nachwuchskräfte für eine Arbeitsstelle im Landkreis Harburg zu gewinnen und sie auch dauerhaft in der Region zu halten? Diese Frage stand kürzlich im Mittelpunkt eines Besuchs der heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Dr. Cornell Babendererde im Welcome Center Landkreis Harburg in Winsen. An dem Austausch nahmen Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises Harburg, der Wirtschaftsförderung, des Welcome Centers, der Firma Feldbinder sowie des Krankenhauses Buchholz teil.
Der Landkreis Harburg zählt zu den wirtschaftlich starken und wachsenden Regionen im Hamburger Umland. Gleichzeitig spüren viele Unternehmen den Fachkräftemangel immer deutlicher. Besonders für kleine und mittlere Betriebe ist die Gewinnung internationaler Fach- und Nachwuchskräfte aufgrund bürokratischer Anforderungen, hoher Kosten und fehlender Personalressourcen oftmals kaum zu leisten.
„Der Fachkräftemangel ist eine der zentralen Herausforderungen für unsere Region. Deshalb ist es richtig, Unternehmen und internationale Fach- und Nachwuchskräfte nicht allein zu lassen, sondern ihnen eine verlässliche Anlaufstelle vor Ort an die Seite zu stellen“, erklärte Dr. Cornell Babendererde. „Das Welcome Center setzt genau dort an, wo in der Praxis konkrete Unterstützung gebraucht wird.“
Das Welcome Center unterstützt Unternehmen bei der internationalen Fachkräftegewinnung und begleitet zugleich Menschen aus dem Ausland bei der Integration vor Ort. Das auf drei Jahre angelegte Strukturförderprojekt ist an die Kreisvolkshochschule Landkreis Harburg angebunden und arbeitet eng mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises zusammen. Die Beratung ist kostenfrei.
Stefan Baumann, Leiter der Abteilung Bildung, Schule, Kreisvolkshochschule und Sport beim Landkreis Harburg und Projektleiter des Welcome Centers, betonte: „Wir wollen Unternehmen und internationale Fach- und Nachwuchskräfte entlang des gesamten Weges begleiten: Angefangen bei Fragen zu Visum und Aufenthalt über die Wohnungssuche bis hin zu alltäglichen Dingen.“ Dr. Alexander Stark, Leiter der Stabsstelle Kreisentwicklung, Wirtschaftsförderung und Mobilität ergänzte: “Das Welcome Center ist ein wichtiger Baustein zur Stärkung des Wirtschaftsstandortes. Ziel ist es, Kompetenzen zu bündeln, Verfahren verständlicher zu machen und die bestehenden Netzwerke im Landkreis weiter auszubauen.“
Ein besonderer Schwerpunkt des Austauschs lag auf der Sprachförderung. Dr. Nina Kley, Geschäftsführerin der Firma Feldbinder, unterstrich, dass Sprache eine zentrale Voraussetzung für berufliche und gesellschaftliche Integration ist: „Sprache ist das A und O. Wer in Deutschland arbeiten und dauerhaft ankommen soll, muss die Sprache lernen, idealerweise auch die berufliche Fachsprache. Daher ist es sinnvoll, Deutschkurse bereits im Herkunftsland anzubieten und den Einstieg gezielt vorzubereiten.“
Auch aus dem Gesundheitsbereich wurde deutlich, wie wichtig eine verlässliche Begleitung ist. Thomas Leonforte, Pflegedienstleiter am Krankenhaus Buchholz, berichtete, dass der Anteil internationaler Auszubildender und Fachkräfte steige und das Krankenhaus dabei bereits konkrete Unterstützung durch das Welcome Center erhalte. Ergänzend setze das Krankenhaus auf eine speziell für Krankenhausberufe entwickelte Sprachlern-App, mit der wichtige Begriffe und Abläufe aus Pflege und Klinikalltag gezielt erlernt werden könnten.
Als praktischer Engpass wurde der fehlende Wohnraum angesprochen. Einige mittelständische Unternehmen unterstützen neue Mitarbeitende bereits selbst bei der Wohnungssuche oder mieten Wohnraum an, um den Start in der Region zu erleichtern.
„Fachkräftegewinnung endet nicht beim Arbeitsvertrag“, sagte Babendererde abschließend. „Wer internationale Fach- und Nachwuchskräfte gewinnen will, muss auch dafür sorgen, dass sie gut ankommen und bleiben. Dafür braucht es klare Verfahren, kurze Wege und starke Netzwerke. Das Welcome Center ist daher ein wichtiger Gewinn für den Landkreis Harburg.“